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  • Analphabetismus überwinden und für das Leben lernen

    Fresenius Medical Care betreibt an argentinischen Kliniken „Schulen“ zur Grundausbildung.

  • Einblicke
  • Analphabetismus überwinden und für das Leben lernen

Lehrer Víctor Echeverría unterrichtet Dialysepatienten Eugenia in Biologie im Dialysezentrum von Fresenius Medical Care in San Justo in der Nähe von Buenos Aires.

„Das werde ich morgen lesen, ich habe meine Brille vergessen.“ Wenn die Mitarbeiter eines argentinischen Dialysezentrums von Fresenius Medical Care Kliniken diesen Satz von einem Patienten hören, dann wissen sie, dass dahinter mehr stecken könnte als reine Vergesslichkeit. Es könnte eine Ausrede sein, um eine Schreib- und Leseschwäche zu verheimlichen.

Trotz Argentiniens hoher Alphabetisierungsrate haben ein Drittel der dortigen Dialysepatienten von Fresenius Medical Care keinen Grundschulabschluss. Entsprechend hoch ist Quote von funktionalem Analphabetismus.

Die Gründe für eine mangelhafte oder verpasste Grundausbildung sind vielfältig. In armen Verhältnissen aufzuwachsen oder in einer abgelegenen Gegend, erschwert in Argentinien immer noch deutlich den Zugang zu Bildung. Analphabetismus bedeutet nicht nur einen Verlust an Lebensfreude und eine erhöhte Gefahr, in Armut zu leben. Bei Dialysepatienten kann ein Leseunvermögen auch fatale Auswirkungen auf die Einhaltung des Therapieplans haben.

Allerdings: Zur Dialysebehandlung kommen die Patienten mehrmals in der Woche in dieselbe Klinik und verbringen, am Dialysegerät angeschlossen, mehrere Stunden größtenteils ruhig und ohne äußere Ablenkung – aus Sicht der Mitarbeiter von Fresenius Medical Care Argentinien die perfekte Gelegenheit, um zu helfen. Deswegen starteten sie 2008 in Zusammenarbeit mit der argentinischen Regierung eine erste „Schule“ für Patienten in einem der eigenen Dialysezentren.

Der Erfolg war so durchschlagend, dass es mittlerweile in 18 Dialysezentren von Fresenius Medical Care Argentinien entsprechende Angebote gibt, nach wie vor in Kooperation mit den Bildungsministerien verschiedener Provinzen. Jede „Schule“ ist mit auf Erwachsenenbildung spezialisierten Lehrern besetzt. 16 der 18 Schulen unterrichten einen allgemeinen Grundschullehrplan mit Schwerpunkt auf Lesen und Schreiben, fünf davon bieten sogar weiterführende Kurse an. Die anderen beiden Schulen vermitteln den Patienten grundlegende Computerkenntnisse.

Dialysepatient Francisco lernt gemeinsam mit Lehrer Humberto Echeverri während der Behandlung im Dialysezentrum von Fresenius Medical Care in Pilar, in der Nähe von Buenos Aires.

Etwa 500 Patienten nehmen im Moment das Angebot wahr. 53 haben den Kurs bereits erfolgreich abgeschlossen und ihr Grundschuldiplom bestanden. Männer und Frauen halten sich bei den Teilnehmern die Waage. Mehr als 85 Prozent sind 40 Jahre oder älter.

Durch den Unterricht haben die Patienten auch das Gefühl, die Stunden im Dialysezentrum für etwas Sinnvolles zu nutzen. Viele von ihnen können nun zum ersten Mal ohne Hilfe Informationsmaterial und schriftliche Hinweise zu ihrer Therapie, beispielsweise Ernährungsempfehlungen, lesen. Abgesehen von diesem großen Schritt in die Selbstständigkeit fühlen sich die Kursteilnehmer auch gesellschaftlich besser integriert.

„Meine Familie ist begeistert. Mein Sohn hilft mir bei meinen Hausaufgaben“, erzählt ein Patient. Ein anderer Patient aus der Klinik in San Justo sagt: „Ich wollte immer Lesen und Schreiben können, aber es schien mir weit außerhalb meiner Möglichkeiten zu sein.“

Vertreter des Bildungswesens und des Unternehmens sind vom Erfolg des Programms begeistert. Fresenius Medical Care hofft, die Kurse in den nächsten Jahren noch auf weitere Kliniken ausweiten zu können. Wegen der wachsenden Zahl der Grundschulabsolventen wird sich der Fokus dann mehr auf weiterbildende und berufsspezifische Maßnahmen verlagern.

„Wir sind uns bewusst, dass Bildungsdefizite auch ein Problem in anderen Breitengeraden sein können“, sagt Gabriela Cannatelli, Geschäftsführerin von Fresenius Medical Care Argentinien. „Diese Lösung – ein Lernumfeld zu schaffen – hat unsere Perspektive erweitert, auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen und somit ihre Lebensqualität zu steigern.“