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  • Kleines Herz im Fokus

    Seit mehr als 20 Jahren bietet das Herzzentrum Leipzig von Fresenius Helios Spitzenmedizin rund ums Herz – für ältere und manchmal auch für ganz junge Patienten.

In einer achtstündigen Operation korrigiert Prof. Kostelka den schweren angeborenen Herzfehler des kleinen Philipp.

8:30 Uhr: Im Kinderoperationssaal des Herzzentrums Leipzig laufen die letzten Vorbereitungen. Auf dem Operationstisch in der Mitte des Saals liegt der gerade mal neun Tage alte Philipp bereits in Narkose.

Das regelmäßige Piepen des EKGs und die Linien auf einem der Monitore zeigen, dass Philipps Herz scheinbar ganz normal arbeitet. Doch der Junge leidet unter einem sehr schweren angeborenen Herzfehler. Lungen- und Hauptschlagader sind vertauscht, sodass Blut- und Lungenkreislauf nicht wie im Normalfall hintereinander geschaltet sind, sondern parallel laufen. Der Körper wird kaum mit Sauerstoff versorgt. Nur die operative Korrektur dieses anatomischen Fehlers kann Philipps Leben retten.

Pro Woche steht Professor Kostelka durchschnittlich sieben Mal im Kinder-OP des Herzzentrums.

Der Eingriff ist herausfordernd, doch Philipp ist in sehr guten Händen: Der Kinderherzchirurg Professor Martin Kostelka zählt weltweit zu den Besten seines Fachs. Über 10.000 Operationen hat er in seiner 30-jährigen Berufskarriere bereits durchgeführt. Mit einer Erfolgsquote von 99 Prozent. Das jüngste Kind, das Professor Kostelka jemals operiert hat, war ein Frühchen, das in der 25. Schwangerschaftswoche geboren wurde und gerade mal 460 Gramm wog. Das älteste „Kind“ hingegen war eine 77-jährige Dame, bei der noch im höheren Alter ein angeborener Herzfehler entdeckt wurde. Pro Woche steht Professor Kostelka durchschnittlich sieben Mal im Kinder-OP des Herzzentrums. Dabei unterstützt ihn sein Team aus OP-Schwestern, Anästhesisten, Kardiotechnikern, Assistenzärzten und OP-Assistenten. Unter ihnen ist auch Ingrid Conradt. Die Leitende OP-Schwester arbeitet seit über 20 Jahren im Herzzentrum. „Wir sind ein sehr eingespieltes Team“, erklärt sie. „Wir können uns 100-prozentig aufeinander verlassen.“

9:00 Uhr: Professor Kostelka öffnet Philipps Brustkorb und legt das Herz frei. Es ist nur etwa so groß wie eine Walnuss. Im nächsten Schritt kann der Kardiotechniker die speziell für Kinder angepasste Herz-Lungen-Maschine anschließen. Professor Kostelka gibt knappe Anweisungen. Temperatur, Geschwindigkeit, der Fluss der Herz-Lungen-Maschine, Druck … alles muss genau stimmen, wenn die Maschine die Arbeit von Philipps Herz übernimmt und stellvertretend das Blut durch den Körper pumpt. Kurz nach 10:00 Uhr steht Philipps Herz dann still und Professor Kostelka beginnt mit seiner eigentlichen Arbeit – der filigranen Umpflanzung der winzigen Kranzarterien und der vertauschten großen Gefäße, damit diese am Ende wie beim gesunden Menschen richtig von der entsprechenden Pumpkammer abgehen.

Ein Herz aus Sicht eines Rhythmologen im Elektrophysiologischen Labor. Zu sehen ist der linke Vorhof mit den abgehenden Lungenvenen.

12:00 Uhr: Während im Kinder-OP stille Konzentration herrscht, geht es zwei Etagen tiefer im Elektrophysiologischen Labor (EPU-Labor) etwas lauter zu „Gib mir mal 35 Watt vorn drauf“, sagt Professor Andreas Bollmann, Leitender Oberarzt der Abteilung Rhythmologie. „Wir Rhythmologen sind quasi die Herzelektriker“, erklärt er mit einem Schmunzeln. „Zu schnell, zu unregelmäßig oder zu langsam schlagende Herzen können wir mit Hilfe von Ablationen oder auch mit dem Einbau von Defibrillatoren und Schrittmachern mit einer großen Chance auf Heilung behandeln.“

Vor ihm liegt Günther K., der unter Vorhofflimmern leidet - eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Über einen Zugang in der Leiste des 67-jährigen schiebt Professor Bollmann einen Katheter mit einer Elektrode bis in das Herz des Patienten. So kann er die für die falschen Reizweiterleitungen verantwortlichen Punkte nach und nach veröden. Auf einem riesigen Bildschirm sieht er nicht nur die Linien des EKGs und die Röntgenaufnahme des Herzens, sondern auch ein leuchtendes, fast amöbenartiges Gebilde in 3D. „Das ist der linke Vorhof mit den einmündenden Lungenvenen. Mit Hilfe dieser exakten Darstellung erarbeiten wir uns den genauen Fahrplan über die zu verödenden Punkte“, erklärt Bollmann. Während er den Katheter mit den Elektroden führt, steht sein Team an einer Art Schaltzentrale aus verschiedenen Bildschirmen und Apparaten. Nach seinen Anweisungen geben sie die nötigen elektrischen Impulse, messen Werte und kontrollieren die Bildgebung.


Erleichterung nach einer langen erfolgreichen Operation: Prof. Martin Kostelka im Gespräch mit Angehörigen.

„Wir haben hier nicht nur das weltweit größte EPU-Labor, sondern verfügen auch über die innovativste Technik und Bildgebung auf diesem Gebiet“, so Bollmann. Erst 2015 hatte Helios über fünf Millionen Euro in die Leipziger EPU-Labore investiert. Dabei sind es nicht nur die Modernität und Innovationskraft, die das Herzzentrum auch international attraktiv machen. Ebenso sorgt die aktiv betriebene Forschung auf allen Gebieten der kardiovaskulären Medizin für eine hohe Anziehungskraft.

Ärzte aus aller Welt bilden sich hier weiter oder wechseln dauerhaft nach Leipzig. Allein in der Abteilung für Rhythmologie arbeiten Ärzte aus acht verschiedenen Nationen, insgesamt sind im Herzzentrum Leipzig Mitarbeiter aus über 40 Ländern beschäftigt.

17:30 Uhr: Zurück auf der Kinderintensivstation. Philipp hat die schwere Operation überstanden. Aus den ursprünglich veranschlagten vier Stunden sind fast acht Stunden Operation geworden. Professor Martin Kostelka sieht müde, aber zufrieden aus. „Manchmal entpuppt sich während einer Operation die Situation als wesentlich komplexer als angenommen. Dann muss man von seiner Routine abweichen, reagieren, Lösungen finden“, sagt er. „In Philipps Fall war das so. Aufgrund einer anatomischen Anomalie der Herzkranzgefäße haben wir insgesamt drei Mal neu angesetzt und damit auch drei Mal das Herz stillgelegt – eine enorme Belastung für den kleinen Jungen. Aber wir haben es geschafft, und jetzt bin ich einfach nur richtig glücklich und zuversichtlich“, lächelt er.

Schon knapp drei Wochen später kann Philipp mit seiner Mutter das Krankenhaus verlassen. Der Säugling ist wohlauf. Mit seiner Familie kann er nun in ein gesundes Leben starten.

Fotos: © Thomas Oberländer, Helios